Kriegsverbrechen im Schlosspark

Im Archiv ist unsere Gruppe auf einen besonders interessanten Fall gestoßen. Als wir verschiedene Artikel zur Napola Bensberg lasen, entdeckten wir, dass zwei Personen im Schlosspark erschossen wurden.

Entdeckung

„In unseren Augen bedeuten die Erschießun­gen großes Unrecht.“

Mehr wurde über sie nicht berichtet, doch wir interessierten uns für die Schicksale und das Unrecht, welches diese Personen erfahren haben. Wir recherchierten also weiter, da wir die Namen und die Geschichte der Personen herausfinden wollten.

Schließlich entdeckten wir in einem Abschnitt in einem Buch über die Zwangsarbeiter die Szene wieder: So soll es am 22. März 1945 nach einem Weindiebstahl im Schloss der Ostarbeiter Konstantin Wladimirnow und Walerij Winogradow zu deren Erschießung durch Hitlerjungen gekommen sein. Dies schockierte uns vor allem, da wir uns die Frage stellten: Handelt es sich bei den Mördern um Schüler der Napola? Wir suchten also weiter nach Spuren zu diesen Morden.
Und uns wurden tatsächlich Kopien der Todesscheine der beiden Arbeiter vorgelegt. Überraschend war jedoch, dass die Namen geschwärzt wurden. Dies verwunderte uns, da es trotz der Erschütterung dieses Falles nur wenig darüber zu lesen gibt und sich auch die Recherche als schwierig herausstellte. Uns blieb somit nichts anderes übrig, als im originalen Sterberegister von 1945 nach den Sterbeurkunden zu suchen. Tatsächlich konnten diese gefunden werden und sind auch hier abgebildet. Somit ist deren Identität und der Vorfall bestätig.
Die Namen der Ermordeten fanden wir jedoch nicht auf der Liste der KZ-Häftlinge, die nach Bensberg geschickt wurden. Das ist, was wir bis zum Redaktionsschluss im Juli 2024 überprüfen konnten. Weitere Informationen wie beispielsweise über ihre Wohnverhältnisse oder das Alter der Täter konnten leider nicht herausgefunden werden.

Zwischenstand
Philipp J. Bösel M.A. photographer (DGPh)

Inzwischen können wir so gut wie ausschließen, dass Napola-Schüler an der Erschießung von Konstantin Wladimirnow und Walerij Winogradow und am 22.03.1945 beteiligt waren. Aktenfunde legen den Schluss nahe, dass die beiden auf Befehl des Gauleiters von Hitlerjungen im Schlosspark erschossen wurden. Ihre Geschichte wird in einem weiteren Schülerprojekt des OHG ausgeleuchtet.

Stolpersteine

Ausstellungsansichten „Das Napola-Erinnern“, Juli 2024 OHG

Kleine Gedenk­steine mit enormer Wirkung

Wer in deutschen Städten unterwegs ist, hat sie vielleicht schon einmal gesehen: kleine, in den Boden eingelassene Messingplatten, die an Häusern und Gehwegen verlegt sind. Diese sogenannten Stolpersteine, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, sind dezente, aber wirkungsvolle Mahnmale zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
Ein Stolperstein trägt stets eine individuelle Inschrift, die an das Schicksal einer einzelnen Person erinnert. Zu lesen sind Name, Geburtsdatum sowie das Schicksal der Person – etwa die Deportation und das Todesdatum. Die Steine werden vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der Opfer verlegt.
Ziel der Stolpersteine ist es, die Erinnerung an die Verfolgten, Deportierten, Vertriebenen und

Ermordeten lebendig zu halten. Durch ihre dezentrale und alltägliche Platzierung sollen sie die Menschen im Vorbeigehen zum Innehalten und Nachdenken anregen. Sie sind ein stilles, aber eindringliches Mahnmal gegen das Vergessen und ein Appell für Toleranz und Menschlichkeit.
Seit der ersten Verlegung 1992 hat sich das Projekt stetig ausgeweitet. Mittlerweile gibt es über 75.000 Stolpersteine in mehr als 1.200 Städten und Gemeinden in ganz Europa. Die Stolpersteine sind ein bedeutendes Beispiel dafür, wie Kunst im öffentlichen Raum dazu beitragen kann, historische Verantwortung zu übernehmen und das Gedenken an die Opfer des Holocausts wachzuhalten.

Wir, als Literaturkurs des Otto-Hahn Gymnasiums setzen uns für die Verlegung eines Stolpersteins vor dem Bensberger Schloss ein. Um dies zu erreichen haben wir schon viel Vorarbeit geleistet und sind auch im Austausch mit dem Westdeutschen Rundfunk, welcher mithilfe einer Initiative die Verlegung von Stolpersteinen fördert. Dieser Stolperstein ist uns als Kurs so wichtig, da wir gegen das Vergessen dieser Zeit und dieser Menschen arbeiten möchten. Während unserer Arbeit haben wir viele Aspekte gefunden, welche einen klaren Unrechtsgehalt aufweisen und alle Kriterien für die Verlegung eines Stolpersteins erfüllen. Nun fordern wir Unterstützung bei der Weiterarbeit an diesem wichtigen Thema.
 
Schloss Bensberg

Das Schloss überragt und prägt den Stadtteil Bensberg seit rund 200 Jahren und hat in dieser Zeit schon viele Funktionen beherbergt.

Zur NS-Zeit

In der Zeit der Naziherrschaft diente das Schloss als Nationalpolitische Erziehungsanstalt, in der der politische Nachwuchs gefördert werden sollte.

Erinnern

Ein Literaturkurses am Otto-Hahn-Gymnasium hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zeit der NAPOLA gegenwärtig zu machen.

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