NS-Ideologie hinter alten Mauern

Die idyllische Fassade des heutigen Schloss Bensberg birgt eine düstere Vergangenheit: Hier befand sich einst eine NAPOLA, eine nationalsozialistische Elite-Schule, die für Indoktrination nationalsozialistischen Gedankenguts bekannt war.

Schüler:innen des Otto Hahn Gymnasiums haben im Stadtarchiv zur NAPOLA Bensberg recherchiert. Erfahren Sie hier mehr über die Geschichte der NAPOLA Bensberg.

NAPOLA/NPEA

Über Leid und Leitbild der „Jung­mannen“

Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NAPOLA) im Schloss Bensberg wurde am 1. Juli 1935 eröffnet. Sie gehörte zu einem Netzwerk von Eliteschulen, das der Erziehung im Geist der NS-Ideologie verpflichtet war. Ziel war die Heranbildung „tüchtiger Nationalsozialisten", die als zukünftige Führungskräfte in Partei, Militär und Verwaltung dienen sollten.

Aufgenommen wurden ausschließlich Jungen „arischer Abstammung“, mit nachgewiesener „Erbgesundheit“ und besten körperlichen, geistigen und charakterlichen Voraussetzungen. Eine einwöchige Aufnahmeprüfung testete Mut, Durchhaltevermögen und Führungsfähigkeit.
Die Schüler – offiziell „Jungmannen“ genannt – lebten in einem Internat mit militärischem Drill und strenger Disziplin. Leibesübungen hatten einen hohen Stellenwert im Unterricht.
Doch hinter dem Leitbild der perfekten nationalsozialistischen Jugend stand ein Alltag, der für viele mit Anpassungsdruck, Entbehrung und Angst verbunden war.
Während des Krieges entwickelten sich die NAPOLAs zunehmend zu Rekrutenschulen für Wehrmacht und SS. Viele Schüler wurden frühzeitig eingezogen oder meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst.

Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA oder auch NAPOLA) im Schloss Bensberg wurde am 1. Juli 1935 eröffnet. Sie gehörte zu einem Netzwerk von Eliteschulen, das der Erziehung im Geist der NS-Ideologie verpflichtet war. Ziel war die Heranbildung von Nationalsozialisten, die als zukünftige Führungskräfte in Partei, Militär und Verwaltung dienen sollten.

Bensberg

Die NAPOLA in Schloss Bensberg und ihre Schüler

„Im Mittelpunkt standen die nationalsozialistische Indoktrinierung und das Abtrainieren jeglicher Individualität.“ (Inga)

Die NAPOLA in Schloss Bensberg wurde am 1.7.1935 eröffnet. Ihre Aufgabe war die Heranbildung deutscher Jungen zu fanatischen Nationalsozialisten. Grundvoraussetzung war eine arische Abstammung und ein Zeugnis der Hitlerjugend (HJ) des Jungen. Es wurden nur Jungen aufgenommen, die überdurchschnittliche Leistungen brachten. Dazu gab es eine Aufnahmeprüfung, bei der auf charakterliche, körperliche und geistige Merkmale geachtet wurde. Die Aufnahmeprüfung dauerte eine Woche. Es wurde eine Auslese angestrebt der Tüchtigen, Härtesten und Begabtesten für den Dienst an Volk und Staat. Die Kosten für die NAPOLA mussten von den Eltern aufgebracht werden. Das Ziel der NAPOLA war die Herausbildung einer Jugend im Geiste des Nationalsozialismus, welche sich zu Führern auf allen Gebieten des Lebens entwickeln sollte.  

An den Wochenenden fanden häufig Fahrten und Ausmärsche in die Umgebung von Schloss Bensberg statt, das immer in Uniform.

Neben normalem Unterricht wurden auch  Kampfsportarten in der Schule trainiert.

SA-Gruppenführer Paul Holthoff war Leiter Der Bensberger Napola. Hier nimmt er am Anstaltsmanöver im Jahre 1937 im Wald teil.

Schulleben

Foto: Besuch der NPEA Bensberg (Napola) durch den SA-Führer Viktor Lutze im Februar 1939

Was nach der Aufnahme geschah

Wie das Mitbestimmungsrecht der Eltern über die Zukunft ihrer Kinder systematisch eingeschränkt wurde

Die NAPOLA-Schule kappte häufig aktiv die Beziehung zwischen Eltern und Schülern, ohne dass die Eltern weiteres Mitbestimmungsrecht über die Zukunft ihrer Kinder hatten, wie dieses Beispiel zeigt.

Der Sohn wurde, nachdem er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, ohne Absprache mit den Eltern direkt in der Schule behalten. Ein Abschied zwischen Eltern und Sohn wurde somit vermieden.

Ein anderes Beispiel zeigt, die vergebliche Bitte einer verwitweten Mutter, ihren Sohn von der Vorschlagsliste der Napola Bensberg zu streichen. Die Antwort des Schulleiters lautete: „Ihr Sohn ist nicht Ihr Eigentum, über das lediglich Sie verfügen können. Er ist ihnen nur ausgeliehen, gehört aber dem deutschen Volke. Einwände dagegen, dass sein Name für eine Eliteschule vorgeschlagen wird, kommen einer Beleidigung von Führer und Reich gleich.“

Der Protest der Mutter war vergeblich. So wurde der künftige NPEA-Schüler der Fürsorge des Elternhauses entrissen, und die Eltern sahen sich gezwungen, dem politischen Druck nachzugeben.

Die Situation zeigt ebenfalls gut, wie die Schüler fast schon verdinglicht wurden. Sie wurden regelrecht aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen. Und Eltern hatten keine Möglichkeit, sich weiterhin um ihre Kinder zu kümmern. Auch der Briefverkehr zwischen Eltern und „Jungmannen“ war fortan kein vertrauenswürdiges Kommunikationsmedium mehr.

Wie das Mitbestimmungsrecht der Eltern über die Zukunft ihrer Kinder minimiert wurde

Der Sohn wurde, nachdem er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, ohne Absprache mit den Eltern direkt in der Schule behalten und nicht noch einmal nach Hause gelassen. Ein (endgültiger bzw. richtiger) Abscheid wurde also vermieden.

Auch die Eltern konnten in dieser Situation nicht viel tun. Die Schule hat oft aktiv die Beziehung zwischen Eltern und Schülern gekappt, ohne, dass die Eltern weiteres Mitbestimmungsrecht über die Zukunft ihrer Kinder hatten, wie auch dieses Beispiel  zeigt:
 
Eine verwitwete Mutter, deren Ältester in Russland kämpfte, hatte die Schulleitung gebeten, ihren Sohn von der Vorschlagliste zu streichen.

Die Antwort des Schulleiters: „Ihr Sohn ist nicht Ihr Eigentum, über das lediglich nur Sie verfügen können. Er ist Ihnen ausgeliehen, aber er gehört dem deutschen Volk. Einwände dagegen, daß sein Name für eine Eliteschule vorgeschlagen wird, komme einer Beleidigung von Führer und Reich gleich.“
Der Protest der Mutter war vergeblich. So wurde der künftige NPEA – Schüler der Fürsorge des Elternhauses entrissen, und die Eltern sahen sich genötigt, dem politischen Druck nachzugeben.
(Zitat nach: Willi Fritzen)

Die Situation zeigt ebenfalls gut, wie die Schüler von der Schule fast schon verdinglicht wurden. Sie wurden oft regelrecht aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen, jedoch war dies völlig normal und, in den Augen der Lehrer, legitim. Die Eltern hatten keine Möglichkeit, sich weiter um ihre Kinder zu kümmern, außer durch den Briefverkehr, der jedoch, wie schon gezeigt, auch nicht immer ein vertrauenswürdiges und sicheres Kommunikationsmedium war.

Nach der Aufnahme an die NAPOLA gab es vormittags wissenschaftlichen Unterricht entsprechend einer Oberschule. Es wurde u.a. das Fach Biologie unterrichtet.

Neben normalem Unterricht wurden auch  Kampfsportarten in der Schule trainiert.

An den Wochenenden fanden häufig Fahrten und Ausmärsche in die Umgebung von Schloss Bensberg statt, das immer in Uniform.

SA-Gruppenführer Paul Holthoff war Leiter Der Bensberger Napola. Hier nimmt er am Anstaltsmanöver im Jahre 1937 im Wald teil.

Zeugnisse

Mehr Sport als Schule? Was die Zeugnisse der NAPOLA-Schüler verraten

Obwohl die NAPOLAs die Eliteschulen des Dritten Reiches bildeten, sind die Noten der Bensberger Schüler in den wissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern sowie den Sprachen nicht überragend.

Man würde erwarten, fast nur „gut“ und „sehr gut“ zu sehen, allerdings trifft man auf „befriedigend“ oder „ausreichend“, mit wenigen besseren und sogar einigen schlechteren Noten. Jedoch sind die Zensuren in den zahlreichen sportlichen Fächern, wie z.B. „Schießen“, „Leichtathletik“ oder „Kampfspiele“, deutlich besser.

Es ist auch auffällig, dass die Schüler, deren Zeugnisse im Archiv lagen, trotz der schlechten Leistungen in nicht-sportlichen Fächern immer in die nächste Stufe versetzt wurden. Dies beweist, dass an den NAPOLAs die sportlichen Leistungen definitiv im Vordergrund standen. Es kann außerdem beobachtet werden, dass die gesellschaftlichen Fächer, wie z.B. „Singen“, „Musiklehre“ oder „Bildnerisches Gestalten“, nur in den unteren Stufen und nur sehr selten in den oberen Stufen belegt wurden. Auch in den unteren Stufen wurden dann aber oft nur eins oder sehr wenige von diesen Fächern belegt. 

Familie

Familiäre Fremde - etwa gewollt?

Über den limitierten Kontakt zwischen Napola-Schülern und ihren Familien
Die Schüler der Napola lebten während ihrer Schulzeit in erheblicher Isolation und waren weitgehend von ihren Familien abgeschnitten. Selbst bei Krankheit wurden sie nur selten nach Hause geschickt. Der straffe Tagesplan ließ kaum Raum für persönlichen Kontakt – so beschreibt es ein Schüler aus Bensberg:

Zum Nachdenken komme ich kaum, ich habe dafür zu viel Arbeit.
Der tägliche Dienst fordert ganze Aufmerksamkeit!

Der einzige Kontakt zu den Eltern erfolgte meist über Briefe – doch diese standen vermutlich unter systematischer Kontrolle und Zensur. Es ist anzunehmen, dass der Briefverkehr streng überwacht wurde. Ein offener und wahrhaftiger Austausch mit den Eltern war dadurch nicht möglich. Im Stadtarchiv Bergisch Gladbach befinden sich Briefe, die von Napola-Schülern während der letzten Kriegsjahre aus Hardehausen an ihre Eltern geschickt wurden. Diese Briefe stammen aus der Zeit, als die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Bensberg im November 1944 nach Hardehausen in Westfalen verlegt wurde. Diese Zeugnisse geben wertvolle Hinweise auf die begrenzten Möglichkeiten der Kommunikation und die damit einhergehende Entfremdung von der Familie. Der stark eingeschränkte Kontakt zum familiären Umfeld führte für viele Schüler zu einer tiefen Distanz und Entfremdung vom eigenen Zuhause – ein Zustand, der also durchaus als gewollt betrachtet werden kann.

Briefe eines NAPOLA-Schülers an seine Mutter:

Schloss Bensberg

Das Schloss überragt und prägt den Stadtteil Bensberg seit rund 200 Jahren und hat in dieser Zeit schon viele Funktionen beherbergt.

Zur NS-Zeit

In der Zeit der Naziherrschaft diente das Schloss als Nationalpolitische Erziehungsanstalt, in der der politische Nachwuchs gefördert werden sollte.

Erinnern

Ein Literaturkurses am Otto-Hahn-Gymnasium hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zeit der NAPOLA gegenwärtig zu machen.

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